Ashley Walker

Ashley Walker

Am 06.04.1812 wurde ich in Vegesack, bei Bremen, geboren. Meine Mutter starb bei meiner Geburt und mein Vater ist unbekannt. Die Hebamme war eine Freundin meiner Mutter und gab mir den Namen Agatha. Seit dem hieß ich Agatha Melchor. Ich wuchs in einem Waisenhaus auf. Da ging es sehr streng zu. Wir wurden zwar unterrichtet, aber nur das Notwendigste. 1829, mit 17 Jahren, sollte dann eine Wende in mein tristes Leben kommen.

Bis dahin wusste ich nicht, dass es noch Verwandtschaft gab. Ich war erstaunt als ein Brief aus Amerika kam. Mein Onkel hat von dem Tod meiner Mutter erfahren, als er nach ihr suchte. Da ich in Deutschland niemanden mehr hatte, wollte er mich zu sich holen. Das war aber zu der damaligen Zeit gar nicht so einfach. Er organisierte alles von Amerika aus, da man ihn da kannte. Er war in der Gesellschaft recht gut angesehen und auch vermögend. Mit dem Schiff „Isabella“ ging es dann am 24.03.1830 von Bremerhaven nach New York. Die ganze Familie nahm mich herzlich auf. Ich wurde getauft und bekam einen anderen Namen. Fortan hieß ich Ashley Melchor. Eine Ausbildung im Lehramt wurde mir auch ermöglicht. Danach habe ich einige Jahre in New York an einer Schule unterrichtet. Der Anfang war nicht leicht als junge Frau im Lehramt akzeptiert zu werden, aber das ließ mit der Zeit nach. 10 Jahre später wollte ich mehr von Amerika sehen. Am 03.03.1845 hörte ich von der Gründung eines neuen Staates Namens „Florida“. Das machte mich neugierig. Ich dachte: „ neue Besiedlung, neue Schulen und neue Lehrer braucht das Land“. So machte ich mich mit ein paar weiteren Siedlern auf den Weg nach Florida. Wir waren einige Monate unterwegs. Die Reise ging durch Indianergebiete. Gemeinsam saßen wir am Lagerfeuer, sangen Lieder und bestaunten die Schönheit der Landschaft. Während der Reise habe ich die Kinder, so gut es ging, unterrichtet. In den Nächten haben wir Wachen eingeteilt. Da hielt ich auch das erste Mal in meinem Leben einen Colt in der Hand. Er machte mir Angst aber er gab mir auch Sicherheit. Schießen habe ich auf der Reise gelernt. Die Monate waren aufregend, gefährlich und doch sehr schön. 1846 sind wir dann in der Stadt Jacksonville in Florida angekommen. An diesem Ort blieb ich. Ein geeigneter Platz für die Schule hat sich schnell finden lassen. Mit vereinten Kräften dauerte es auch nicht lange bis das Blockhaus stand. Bis 1857 arbeitete ich da als Lehrerin. Als dann ein Gesetz erlassen wurde, dass jeder Ehepartner, auch Frauen, Land von der Regierung geschenkt bekam, heiratete ich einen Mann Namens Benjamin Walker. Er machte mir schon einige Zeit den Hof. Wir bauten uns eine Ranch mit Rinderzucht auf. Als 1861 der Bürgerkrieg begann, wurde mein Mann in die Armee einberufen. Nun war ich auf der Ranch mit unseren 4 Arbeitern allein. Unser Rindfleisch lieferten wir an die Konföderierten. Das hat alles sehr gut funktioniert. Dadurch wurde ich von den Arbeitern nur noch „Big Mama“ genannt. Der Krieg war 1865 vorbei. Viele Männer kamen zurück, aber meiner nicht. Er fiel in dem Krieg für das Vaterland. Also bewirtschaftete ich die Ranch weiterhin ohne Mann. Mit der Zeit zog ich mich langsam von der Arbeit zurück. Den Teil meines verstorbenen Mannes vermachte ich meinen Angestellten. Heute sitze ich in einem Schaukelstuhl, gebe Ratschläge und bin mit meinem Leben zufrieden. Und wenn ich gefragt werde, ob ich etwas bereue oder heute etwas anders machen würde, sage ich nur: „ NEIN, ich würde alles genau so machen, wie ich es getan habe.

Adresse

American Living History Club Wild East e.V.
Vereinsgelände Wild East-Town
Paul-Lorenz-Str. 52
D-08060 Zwickau